Aegopodium podagraria - Geißfuß, Giersch

Familie: Doldenblütler - Apiaceae

Eurosibirische Pflanze; Neophyt in Amerika

"Waldpflanze"

Namen

Englisch: Bishop's Weed, Ground Elder

Französisch: Herbe aux goutteux

Italienisch: Girardina silvestre

Laut "Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, 2011" gibt es weltweit 5 "Giersch"-Arten; für Deutschland wird dort nur 1 Art beschrieben.

Der Giersch steht In Baden-Württemberg auf Platz 8 der Liste der 100 häufigsten Pflanzenarten: www.flora.naturkundemuseum-bw.de/bestimmung.htm

17.06.2012
17.06.2012

Der 1971 geborene Jan Wagner hat dem von den meisten Gärtnern gehassten Giersch ein wunder-schönes Gedicht gewidmet, das so beginnt:

 

"nicht zu unterschätzen: der giersch

mit dem begehren schon im Namen - darum

die blüten, die so schwebend weiß sind, keusch

wie ein tyrannentraum.

 

...."

 

aus: Jan Wagner, "giersch" in: Regentonnenvariationen. Gedichte, Hanser Berlin 2014

 

Das Pharmazeutische Wörterbuch (Hunnius) von 1966 erwähnt Geißfuß als Stammpflanze von Herba Aegopodii podagrariae (Geißfußkraut), das ätherisches Öl enthält und volkstümlich gegen Gicht und Rheuma angewendet wird. In der Homöopathie wird die danach frische, blühende Pflanze zu "Aegopodium podagraria" verarbeitet.

Heute ist "Aegopodium podagraria" bei der Deutschen Homöopathischen Union nur noch als Sonderanfertigung lieferbar (siehe www.dhu.de) und generell so unbedeutend, dass die Sachverständigenkommission für pflanzliche Arzneimittel des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes (BGA) und des heutigen Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinnprodukte (BfArM) in Deutschland (Kommission E) dem Geißfuß nicht einmal eine Negativ-Monographie widmet (s. http://buecher.heilpflanzen-welt.de/BGA-Kommission-E-Monographien/).

Dafür ist Giersch heute umso bekannter als gefürchtetes Unkraut und gilt als nahezu unausrottbar.

25.05.2018 - Rundweg um den Rösslerweiher
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Namensursprung und volkstümliche Bezeichnungen

"Aegopodium" bedeutet wörtlich aus dem Griechischen übersetzt "ziegenfüßig", was sich vermutlich auf die Form der Blätter bezieht und "podagraria" kann mit "fußgichtheilend" übersetzt werden, als Hinweis auf die traditionelle Verwendung als alte Heilpflanze gegen Fußgicht. Genaust (1996) vermutet allerdings, dass der Name eine Neubildung von Linne darstellt. Dazu passt auch, dass in alten Kräuterbüchern die Pflanze unter verschiedenen anderen Namen geführt wird (s. Madaus,S.414).

Volkstümliche Bezeichnungen:

 

Hier werden die Blätter mit den Füßen bzw. Fußspuren verschiedener Tiere verglichen:

Geißetritt (Baden)

Gänstritt, Hühnertotsch (Böhmerwald)

Bäratapä, Hasätopä (Schweiz)
Hirschtritt, -stapfete (Schwäbische Alb)

Hennätöpli (St. Gallen)

Krahfuß (Kärnten)

Granhax'n, Kronfuaß (Niederösterreich)

Kreinföt (Schleswig)

Feärkenfäute (Westfalen: Iserlohn)

 

Nach ihrer Verwendung als Futter für Geißen, Gänse und andere Tiere:

Geeskool (nordwestliches Deutschland)

Geißechrut, -schärlig (Schweiz)

Gaisemous (Westfalen)

Ge(n)sgras, -kraut, Schä(r)tele (Schwäbische Alb)

Säuchrut (Aargau)

Schnäggächrut (St. Gallen)

25.05.2018 - Rundweg um den Rösslerweiher
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Inhaltsstoffe und Wirkung

Die Inhaltsstoffe des Geißfußes sind anscheinend noch ziemlich unbekannt.

Bei Madaus (S. 414) habe ich nur gefunden, dass der Wassergehalt der Pflanze 87 % betragen soll, weitere Inhaltsstoffe werden nicht erwähnt.

Das pharmazeutische Wörterbuch (Hunnius 1966) nennt nur allgemein "ätherisches Öl".

Dagegen weiß man seit Jahrhunderten (Matthiolus (1626), zitiert in Madaus (1938) von einer Heilkraft bei Gicht (daher ja auch der Name) und auch bei Ischias, Rheuma und Hämorrhoiden.

17.06.2012
17.06.2012

Der Giersch in der Fachliteratur

Ältere Abhandlungen mit Anwendungsvorschlägen finden sich im "Lehrbuch der Biologischen Heilmittel" von Gerhard Madaus (1938) und beim schweizer Kräuterpfarrer Johann Künzle (1945). In "Chrut und Uchrut" von 1915 (Auflage. 300 000 - 400 000) hat Künzle den Geißfuß noch nicht aufgenommen.

Kölbl (1961) widmet dem Geißfuß ein kleines Kapitel wegen seiner innerlichen und äußerlichen Wirkung gegen Rheumatismus, Ischias und Gicht.

Im "Feld- Wald- und Wiesenkochbuch" von Eve Marie Helm von 1978, als das Kochen mit Wildpflanzen noch nicht so in Mode war wie 40 Jahre später, hat der Giersch ein eigenes Kapitel.

Amüsant und informativ äußert sich Jürgen Feder 2014 zum Giersch-

Vergeblich sucht man die Pflanze bei Apoheker M. Pahlow (2001), der über 400 einheimische und fremdländische Heilpflanzen beschreibt.

Sehr schöne und umfassende aktuelle Beschreibungen der Pflanze finden sich bei Claudia Ritter (2013), Ursula Stumpf (2010), Wolf-Dieter Storl (2007).

Steffen Guido Fleischhauer hat den Giersch in seine "Kleine Enzyklopädie der essbaren Wildpflanzen" von 2010 aufgenommen.

Raffinierte Kochrezepte mit Giersch findet man bei Meret Bissegger in "Meine wilde Pflanzenküche", 6. Aufl. 2013. 

Claudia Ritter trägt in ihrem Buch "Heimische Nahrungspflanzen als Heilmittel. Gemüse, Früchte und Getreide - von Ackerbohne bis Zwiebel Pflanzenkunde, Heilanwendungen und Rezepte" von 2013 Wissenswertes über den Giersch zusammen.

 

Originell und sachkundig befasst sich Jürgen Feder in seinem Buch "Feders Kleine Kräuterkunde" von 2017 mit kulinarischen und sonstigen Anwendungen des Gierschs (S.33ff).

Eine Beschreibung und Fotos des Gierschs findet man auf der italienischen Seite www.actaplantarum.org und auf der tschechischen Seite www.BioLib.cz

Der Giersch wird von Rudi Beiser in seinem Buch "Vergessene Heilpflanzen. Botanik, Volksheilkunde, Anwendungen" von 2016 ausführlich beschrieben.

Der Giersch ist laut www.floraweb.de als Raupen-Futterpflanze und Nektarpflanze für zahlreiche Falter-Arten von Bedeutung. 

 

Hunnius, Pharmazeutisches Wörterbuch, 4. Aufl. 1966: s.o.

28.07.2011
28.07.2011

Besonderheiten

Geißfuß ist ein Hauptbestandteil des früher allgemein bekannten Frühjahrsgerichtes "Neunstärke", welches besonders am Gründonnerstag gegessen wird.

20.08.2018 - Im Altdorfer Wald bei Baumgarten
20.08.2018 - Im Altdorfer Wald bei Baumgarten
20.08.2018 - Im Altdorfer Wald bei Baumgarten
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13.10.2015 - In der Ravennaschlucht im Südschwarzwald
13.10.2015 - In der Ravennaschlucht im Südschwarzwald

Ähnliche Blätter haben Engel-wurz und Meisterwurz.

Meine Erfahrungen mit Giersch

20.04.2018 - In meiner Küche
20.04.2018 - In meiner Küche

Ein weiterer Vorteil des Giersch ist, dass er sich sehr leicht trocknen lässt und wenn man ihn dunkel aufbewahrt, verliert er auch seine schöne grüne Farbe nicht. Man hat dann im Winter jederzeit ein wunderbares Würzmittel bei der Hand, denn die getrockneten Blättchen lassen sich ganz leicht zwischen den Fingern zerbröseln und für Suppe, Salat usw. verwenden. Mit einem Blättchen kommt man da schon sehr weit, weil sich das intensive Aroma gut hält. Das alles zum Nulltarif und im nächsten Frühling steht die neue Ernte schon bereit.

03.04.2019 - Lochmoos
03.04.2019 - Lochmoos