Cichorium spec. - Wegwarte-Arten

Familie: Korbblütler - Asteraceae

Laut "Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, 2011" gibt es weltweit 6 "Cichorium"-Arten; für Deutschland werden dort 3 Arten beschrieben.

Cichorium intybus - Gewöhnliche Wegwarte, Zichorie

Eurasiatische Pflanze

"Unkraut- oder Ruderalpflanze"

Namen

Englisch: Chicory

Französisch: Chicorée sauvage

Italienisch: Cicoria comune

2005: "Gemüse des Jahres" (zusammen mit Cichorium endivia)

2009:  "Blume des Jahres"

Heilpflanze

Cichorii herba, Wegwartenkraut, und Cichorii radix, Wegwartenwurzel, sind vom Bundesgesundheitsamt mit einer Positiv-Monographie bedacht worden:

www.heilpflanzen-welt.de/buecher/BGA-Kommission-E-Monographien/

Mit nackten Füßchen am Wegesrand,

die Augen still ins Weite gewandt,

saht ihr bei Ginster und Heide

das Mädchen im blauen Kleide?

 

Das Glück kommt nicht in mein armes Haus,

drum stell ich mich hier an den Weg

heraus;

und kommt es zu Pferde, zu Fuße,

ich tret ihm entgegen mit Gruße.

 

Es ziehen der Wamderer mancherlei

zu Pferd, zu Fuß, zu Wagen vorbei.

Habt ihr das Glück nicht gesehen?

Die lassen sie lachend stehen.

 

Der Weg wird stille, der Weg wird leer.

So kommt denn heute das Glück nicht mehr?

Die Sonne geht rötlich nieder,

Ihr starren im Wind die Glieder.

Der Regen klatscht ihr ins Angesicht,

sie steht noch immer, sie merkt es nicht:

vielleicht ist es schon gekommen,

Hat die andere Straße genommen.

 

Die Füßchen wurzeln am Boden ein

Zur Blume wird der Augen Schein.

Sie fühlts und fühlt sich wie im Traume,

Sie wartet am Wegessaume.

                                                        Isolde Kurz


04.07.2014 - Feldweg bei Ratzenried im Allgäu
04.07.2014 - Feldweg bei Ratzenried im Allgäu

"Caro-Kaffee" enthält übrigens auch heute noch 14% Zichorie.

Symbolisches

Die Wegwarte gehört nach Marianne Beuchert  zu den sogenannten Schabab-Kräutern, den "Kräutern im Korb", mit denen man Liebesverweigerung zum Ausdruck bringt (S.297f).

Rosemarie Gebauer, eine Diplombiologin, die sich auf botanisch-literarische Zusammenhänge spezialisiert hat, geht in ihrem sehr schön gestalteten  Büchlein  "Jungfer im Grünen und Tausendgüldenkraut. Vom Zauber alter Pflanzennamen" von 2015 in einem eigenen kleinen Kapitel der Frage nach, wie die Gewöhnliche Wegwarte zu ihrem deutschen und lateinischen Namen gekommen ist und macht dabei auch auf botanische Besonderheiten aufmerksam.

Die Gewöhnliche Wegwarte in der Fachliteratur

Die Wegwarte ist unter dem Namen "intubas" die Nummer 37 des Kapitel LXX des Capitulare de Villis von Karl dem Großen.

Sebastian Kneipp schreibt in seinem  erstem  Werk "Meine Wasserkur" von 1886 über die Wegwarte als Heilpflanze und empfiehlt  Wegwarte- kraut und -tinktur für die Hausapotheke.

Die Gewöhnliche Wegwarte hat im "Lehrbuch der biologischen Heilmittel" (Bd. 5), 1938,  von Gerhard Madaus ein eigenes Kapitel.

Im „Feld- Wald- und Wiesenkochbuch, Kochuchverlag Heimeran, 1978 von Eve Marie Helm hat die Wegwarte ein eigenes Kapitel.

"Chicory" ist die Bachblüte Nr. 8 mit dem Thema "Loslassen, Bedingungslose Liebe" (Ilse Maly, Bachblüten als Chance und Hilfe, Knaur, 1999).

Steffen Guido Fleischhauer hat die Gewöhnliche Wegwarte in seine "Kleine Enzyklopädie der essbaren Wildpflanzen" von 2010 aufgenommen.

Sehr Interessantes rund um "Cichorium" findet sich bei Wolf-Dieter Storl, Bekannte und vergessene Gemüse. Ethnobotanik, Heilkunde und Anwendungen, AT Verlag, 3. Aufl. 2012

Claudia Ritter trägt in ihrem Buch "Heimische Nahrungspflanzen als Heilmittel. Gemüse, Früchte und Getreide - von Ackerbohne bis Zwiebel Pflanzenkunde, Heilanwendungen und Rezepte" von 2013 Wissenswertes über die Wegwarte zusammen.

Jürgen Feder, 2014

Originell und sachkundig befasst sich Jürgen Feder in seinem Buch "Feders Kleine Kräuterkunde" von 2017 mit kulinarischen und sonstigen Anwendungen der Gewöhnlichen Wegwarte (S. 118).

Die Beschreibung und schöne Fotos der Gewöhnlichen Wegwarte findet man auf der italienischen Seite www.actaplantarum.org und auf der tschechischen Seite www.BioLib.cz.

Die Wegwarte ist die Stammpflanze von Chicorée, Radicchio und Zichoriensalat und-wurzelSchon die Römer und Griechen verwendeten die Wurzel der Wegwarte als Nahrungs- und Heilpflanze. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde in Preußen, gefördert durch Friedrich den Großen, aus den gerösteten Rüben Kaffeeersatz hergesteEinllt. Im 19. Jahrhundert entdeckten belgische Bauern zufällig, dass die Kaffeezichorie im Dunkeln fleischige Knospen treibt. Die heutige Kulturform Chicorée bildet im zweiten Jahr eine lange Rübe aus. Im September werden diese, vom Blattschopf abgetrennten Rüben, bei Dunkelheit und Temperaturen zwischen 12 und 18° Celsius eingelagert. Zur Ernte werden die ausgewachsenen fleischigen Sprosse vom Rübenkörper gebrochen. Der Anbau erfolgt in den gemäßigten Zonen Europas, Westasiens und Nordafrikas. Nach Nord- und Südamerika wurde der Chicorée eingeführt. Neben der Verwendung als Blattgemüse wir Chicoree auch zur Inulinproduktion eingesetzt (s. www.pflanzenforschung.de).

Die Gewöhnliche Wegwarte ist laut www.floraweb.de  Raupen-Futterpflanze für 6 Falterarten.

Die Gewöhnliche Wegwarte wird im Arzneipflanzenlexikon der Kooperation Phytopharmaka ausführlich beschrieben

(siehe www. arzneipflanzenlexikon.info).

 

Hunnius, Pharmazeutisches Wörterbuch, 4. Aufl. 1966:

04.07.2014 - Feldweg bei Ratzenried im Allgäu
04.07.2014 - Feldweg bei Ratzenried im Allgäu
04.07.2014 - Feldweg bei Ratzenried im Allgäu
04.07.2014 - Feldweg bei Ratzenried im Allgäu

Hinsichtlich der Blätter besteht Verwechslungsmöglichkeit mit

Taraxacum-Arten.

Namen

Im Schwäbischen wurde die Wegwarte früher "Zigore" genannt. Ich kenne auch noch von früher den heute politisch nicht korrekten Kinderreim "Zigeiner - Zigore - Kaffee".

Cichorium endivia - Endiviensalat, Zuckerhut

Ursprünglich wahrscheinlich mediterran

"Kulturpflanze"

2005: "Gemüse des Jahres" (zusammen mit Cichorium intybus)

Der Zuckerhut in der Fachliteratur

Sehr Interessantes rund um "Cichorium" findet sich bei Wolf-Dieter Storl, Bekannte und vergessene Gemüse. Ethnobotanik, Heilkunde und Anwendungen, AT Verlag, 3. Aufl. 2012

Schöne Fotos und Informationen zum Gewöhnlichen Steinquendel findet man auf der tschechischen Seite www.BioLib.cz

Der Zuckerhut ist laut www.floraweb.de Raupen-Futterpflanze für 5 Falterarten.

20.08.2017 - Anbau von Zuckerhut auf der Höri
20.08.2017 - Anbau von Zuckerhut auf der Höri