Tilia spec. - Linde-Arten

Familie: Malvengewächse - Malvaceae

Laut "Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, 2011" gibt es weltweit 23 "Tilia"-Arten; für Deutschland werden dort 6 Arten beschrieben.

21.03.2017 - Linde bei Nieratz im Allgäu
21.03.2017 - Linde bei Nieratz im Allgäu

Symbolisches

Nach Marianne Beuchert sind die Linden Bäume mit sehr großer symmbolischer Bedeutung (s. "Symbolik der Pflanzen", S. 187-189).

Rosemarie Gebauer, eine Diplombiologin, die sich auf botanisch-literarische Zusammenhänge spezialisiert hat, befasst sich in ihrem sehr schön gestalteten  Büchlein  "“Frau Haselin und Drecksäck. Die wunderbare Welt unserer Bäume und Sträucher“ von 2016 damit, welche Rolle bestimmte Bäume und Sträucher in unserer Vergangenheit und in der Welt der Dichter und Maler, der Märchen und Sagen spielen. Dabei erklärt sie auch ihre verschiedenen Namen und außerdem  auf anschauliche Weise botanische Besonderheiten. 

Den Linde-Arten widmet sie darin ein eigenes Kapitel.

Die Linde im Gedicht

Die Linde gehört im Deutschen zu den meistbesungenen Pflanzen, zum Beispiel:

Heinrich Heine, "Die Linde blühte, ..." in:  Buch der Lieder

Tilia cordata - Winter-Linde

Europäische Pflanze

"Waldpflanze"

2016: "Baum des Jahres"

Heilpflanze

Tiliae flos, Lindenblüten, sind vom Bundesgesundheitsamt mit einer Positiv-Monographie bedacht worden;

Tiliae carbo, Lindenholzkohle; Tiliae folium, Lindenblätter; Tiliae lignum, Lindenholz, sind vom Bundesgesundheitsamtjeweils mit einer Negativ-Monographie bedacht worden:

www.heilpflanzen-welt.de/buecher/BGA-Kommission-E-Monographien/

 

'Under der linden

 

    an der heide,

 

    dâ unser zweier bette was,

 

dâ mugt ihr vinden

 

    schône beide

 

    gebrochen bluomen unde gras.

 

vor dem walde in einem tal,

 

    tandaradei,

 

    schône sanc diu nahtegal.

 

Ich kam gegangen

 

    zuo der ouwe:

 

    dô was mîn friedel komen é.

 

dâ wart ich empfangen,

 

    hêre frouwe,

 

    daz ich bin sælic iemer mê.

 

kuster mich?  wol tûsentstunt:

 

    tandaradei,

 

    seht  wie rôt mir ist der munt.

 

 

Dô het er gemachet

 

    also rîche

 

    von bluomen eine bettestat.

 

des wirt noch gelachet

 

    inneclîche,

 

    kumt iemen an daz selbe pfat.

 

bî den rôsen er wol mac,

 

    tandaradei,

 

    merken wâ mirz houbet lac.

 

Daz er bî mir læge,

 

    wessez iemen

 

    (nu enwelle got!), sô schamt ich mich.

 

wes er mit mir pflæge,

 

    niemer niemen

 

    bevinde daz, wan er unt ich,

 

und ein kleinez vogellin:

 

    tandaradei,

 

    daz mac wol getriuwe sîn.'

 

                        Walther von der Vogelweide

 


14.07.2018 - Auf dem "Lindele" zwischen Lauratal und Rösslerweiher
14.07.2018 - Auf dem "Lindele" zwischen Lauratal und Rösslerweiher
04.07.2014 - Ratzenried
04.07.2014 - Ratzenried
04.07.2014 - Ratzenried
04.07.2014 - Ratzenried

Die Lindenblüte kennzeichnet den Beginn des Hochsommers.


Der Lindenbaum

 

Am Brunnen vor dem Thore

Da steht ein Lindenbaum:

Ich träumt in seinem Schatten

So manchen süßen Traum.

 

Ich schnitt in seine Rinde

So manches liebe Wort;

Es zog in Freud und Leide

Zu ihm mich immer fort.

 

 

 


Ich mußt' auch heute wandern

Vorbei in tiefer Nacht,

Da hab ich noch im Dunkel

Die Augen zugemacht.

 

Und seine Zweige rauschten,

Als riefen sie mir zu:

Komm her zu mir, Geselle,

Hier findst Du Deine Ruh'!

 

 

 

 

Die kalten Winde bliesen

Mir grad ins Angesicht,

Der Hut flog mir vom Kopfe,

Ich wendete mich nicht.

 

Nun bin ich manche Stunde

Entfernt von jenem Ort,

Und immer hör' ich's rauschen:

Du fändest Ruhe dort!

 

                    Wilhelm Müller, 1823

             (anzuhören auf Youtube)



Die Lindenwirtin

 

Keinen Tropfen im Becher mehr

Und der Beutel schlaff und leer,

Lechzend Herz und Zunge,

Angetan hat's mir der Wein,

Deiner Äuglein heller Schein

Lindenwirtin, du junge!

Lindenwirtin, du junge!

 

Und die Wirtin lacht und spricht:

"In der Linde gibt es nicht,

Kreid' und Kerbholz leider,

Hast Du keinen Heller mehr,

Gib zum Pfand dein Ränzel her,

Aber trinke weiter.

Aber trinke weiter."

 

 

 

Tauscht der Bursch sein Ränzel ein,

Gegen einen Krug voll Wein,

Tät' zum Geh'n sich wenden.

Spricht die Wirtin: " Junges Blut,

Hast  du Mantel, Stab und Hut,

Trink und laß dich pfänden.

Trink und laß dich pfänden."

 

Da vertrank der Wandersknab'

Mantel, Hut und Wanderstab,

Sprach betrübt: "Ich scheide.

Fahre wohl du kühler Trank,

Lindenwirtin jung und schlank,

Schönste Augenweide.

Schönste Augenweide."

 

 

 

Spricht zu ihm das schöne Weib:

"Hast ja noch ein Herz im Leib,

Lass' es mir zum Pfande!"

Was geschah, ich tu's euch kund:

Auf der Wirtin rotem Mund

Heiß ein andrer brannte!

Heiß ein andrer brannte!

 

Der dies neue Lied erdacht,

Sang's in einer Sommernacht

Lustig in die Winde

Vor ihm stand ein volles Glas,

Neben ihm Frau Wirtin saß

Unter der blühenden Linde.

Unter der blühenden Linde.

 

        Rudolf Baumbach, 1840-1905


04.07.2014 - Ratzenried
04.07.2014 - Ratzenried

Die Winter-Linde in der Fachliteratur

Nach Sebastian Kneipps  erstem  Werk "Meine Wasserkur" von 1886 sollten Lindenblüten zur Teebereitung in jeder Hausapotheke vorrätig sein.

Die Winter-Linde hat im Lehrbuch der biologischen Heilmittel" (Bd. 11) von Gerhard Madaus (1938) zusammen mit derSommer-Linde unter dem Namen "Tilia europaea" ein eigenes Kapitel.

Dr. med. Josef H. Kaiser bestätigt in "Das große Kneipp-Hausbuch" von 1975 den hervorragenden  Wert der Lindenblüten als schweißtreibendes und immunstärkendes Heilmittel.

Steffen Guido Fleischhauer hat die Linden-Arten in seine "Kleine Enzyklopädie der essbaren Wildpflanzen" von 2010 aufgenommen.

Empfehlungen zur gehobenen kulinarischen Verarbeitung der Winter-Linde findet man in Meret Bisseggers Buch "Meine wilde Pflanzenküche. Bestimmen, Sammeln und Kochen von Wildpflanzen", 6. Aufl. 2013.

Eine Beschreibung und schöne Fotos der Winter-Linde findet man auf der italienischen Seite www.actaplantarum.org und auf der tschechischen Seite www.BioLib.cz.

Christian Rätsch beschreibt die Linde in seinem Buch "Heilpflanzen der Antike. Mythologie, Heilkunst und Anwendung" von 2015.

Die Winter-Linde wird im Arzneipflanzenlexikon der Kooperation Phytopharmaka ausführlich beschrieben

(siehe www. arzneipflanzenlexikon.info).

 

Hunnius, 1966

Tilia platyphyllos - Sommer-Linde

Mittel- und südeuropäische Pflanze

"Waldpflanze"

1991: "Baum des Jahres"

Arnold Methner hat mich im April 2018 darauf aufmerksam gemacht, dass die frischen Blattaustriebe der Sommer-Linde köstlich schmecken. Und wie recht hat er damit! Vielen Dank für den Hinweis. Die kulinarische Verwendung zu Salat und ähnlichem sollte man unbedingt ausprobieren.

Die Sommer-Linde in der Fachliteratur

Nach Sebastian Kneipps  erstem  Werk "Meine Wasserkur" von 1886 sollten Lindenblüten zur Teebereitung in jeder Hausapotheke vorrätig sein.

Die Sommer-Linde hat im Lehrbuch der biologischen Heilmittel" (Bd. 11) von Gerhard Madaus (1938) zusammen mit der Winter-Linde unter dem Namen "Tilia europaea" ein eigenes Kapitel.

Dr. med. Josef H. Kaiser bestätigt in "Das große Kneipp-Hausbuch" von 1975 den hervorragenden  Wert der Lindenblüten als schweißtreibendes und immunstärkendes Heilmittel.

Steffen Guido Fleischhauer hat die Linden-Arten in seine "Kleine Enzyklopädie der essbaren Wildpflanzen" von 2010 aufgenommen.

Eine Beschreibung und schöne Fotos der Sommer-Linde findet man auf der italienischen Seite www.actaplantarum.org und auf der tschechischen Seite www.BioLib.cz.

Christian Rätsch beschreibt die Linde in seinem Buch "Heilpflanzen der Antike. Mythologie, Heilkunst und Anwendung" von 2015.

Die Sommer-Linde wird im Arzneipflanzenlexikon der Kooperation Phytopharmaka ausführlich beschrieben

(siehe www. arzneipflanzenlexikon.info).

 

Hunnius, 1966


Tilia tomentosa - Silber-Linde

Südosteuropäisch-westasiatische Pflanze; gilt in Deutschland als in einbürgerung befindlicher Neophyt.

"Waldpflanze"

21.09.2015 - Botanischer Garten Hohenheim
21.09.2015 - Botanischer Garten Hohenheim

Die Silber-Linde in der Fachliteratur

Steffen Guido Fleischhauer hat die Linden-Arten in seine "Kleine Enzyklopädie der essbaren Wildpflanzen" von 2010 aufgenommen.

Zahlreiche schöne Fotos und Informationen zur Silber-Linde findet man auf der tschechischen Seite www.BioLib.cz

21.09.2015 - Botanischer Garten Hohenheim
21.09.2015 - Botanischer Garten Hohenheim


21.09.2015 - Botanischer Garten Hohenheim
21.09.2015 - Botanischer Garten Hohenheim