Bestimmungsversuch: Doldenblütler

Die Doldenblütler sind zum Teil sehr schwer auseinander zu halten. Deswegen habe ich mir vorgenommen, sie mir in der Reihenfolge, wie ich in der Natur im Lauf des Jahres auf sie aufmerksam werde, einmal genauer anzusehen.

Manche der weißblühenden Doldenblütler treten geradezu massenhaft, wellenartig, in Wald und/oder Wiesen auf. Wenn man genauer schaut ist  dann häufig Im April der Wiesen-Kerbel, im Mai der Behaarte Kälberkropf, im Juni der Giersch und ab Juli die Wilde Möhre für das viele Weiß verantwortlich, wobei sich die Blühzeiten im Einzelnen natürlich auch überschneiden können. Sehr oft sieht man auch noch den Wiesen-Bärenklau,

Schon im zeitigen Frühjahr bin ich auf der Suche nach einem Doldenblütler, den ich schon an seinen jungen Blättern eindeutig erkenne: nämlich dem Geißfuß, Giersch, Aegopodium podagrariaEr tritt mit seinem unverkennbaren Aroma und seinen glänzenden, zuerst gefalteten Blättern in Wäldern und Gärten in großen Beständen auf. Laut Bestimmungsliteratur sind sie "doppelt dreizählig gefiedert, die Fiedern 1. Ordnung oft nur 2-spaltig, einem Ziegenfuß ähnlich. Daher auch der Name 'Geißfuß'." 

Ich bin schon mit vielen Gierschblatt-Sträußchen nach Hause gekommen und habe sie kulinarisch auf vielerlei Art verwendet. Und er schmeckt mir immer noch. Sie sind auch den ganzen Sommer über zu finden, weil der Giersch eine sehr widerstandsfähige Pflanze ist und nach dem Abmähen schnell wieder sprießt.

Am 25.05.2018 bei einem Rundgang um den Rösslerweiher habe ich gesehen, dass der Giersch zu blühen beginnt. Im Juni ist vor allem er für das Weiß in unseren Wäldern verantwortlich.

Im Juli und August sind dann die Früchte zu sehen:

Aber der erste blühende Doldenblütler bei uns in Oberschwaben ist eigentlich immer der Wiesen-Kerbel, Anthriscus sylvestris, der schon im April blüht und für viel Weiß auf den Wiesen und an den Waldwegen sorgt. Am 28.04.2018 habe ich ihn am Metelisweiher bei Oberhofen fotografiert.

Am 02.06.2018 waren dann an dieser Stelle die noch überwiegend grünen  Fruchtstände zu sehen:

Den Sumpf-Haarstrang, Peucedanum palustre habe ich erst in letzter Zeit kennengelernt durch die Exkursionen mit Helmut Herwanger. Ich erkenne ihn an seiner Farbe, seinen feinen Blättern und vor allem an seinem Standort in Sumpfwiesen. Man kann ihn dort schon im April sehen. Mein Foto stammt allerdings aus dem April 2012, weil ich ihn dieses Jahr nicht fotografiert habe. 

Der Sumpf-Haarstrang beginnt erst im Juli zu blühen. Aber um ihn zu sehen, muss man sich in sumpfige Gebiete begeben.

Nach dem Kerbel blüht üblicherweise der Rauhaarige Kälberkropf, Chaerophyllum hirsutum in größeren Beständen. Die Kälberkropf-Arten habe ich zu meinen Herbariumszeiten noch gar nicht gekannt, sondern erst seit ich in den letzten 10 Jahren an verschiedenen botanischen Exkursionen teilgenommen habe. Auf den ersten Blick könnte man ihn für Wiesen-Kerbel halten. Doch die Blüte ist irgendwie üppiger und duftet etwas süßlich. Oft ist sie nicht ganz rein weiß. Die Blätter gehen mehr ins Gelbgrünliche und der Stängel hat keine Rillen und ist auffallend behaart. Die folgenden Fotos habe ich am 25.05.2018 im Südosten des Rundwegs um den Rösslerweiher gemacht.

Am 25.05.2018 hat am südwestlichen Ufer des Rösslerweihers auch schon der Gold-Kälberkropf, Chaerophyllum aureum, geblüht. Er hat nicht den süßlichen Duft des Behaarten Kälberkropfs. Sein Aroma ist leicht möhrenartig. Der Stängel ist unten behaart und hat rote Flecken. Von der Farbe her gleicht er eher dem Wiesen-Kerbel. Der Gold-Kälberkropf ist bei uns lange nicht so häufig wie der Rauhaarige Kälberkropf, aber wenn man ihn kennt, sieht man ihn immer wieder.

Am Mühlkanal im Nordosten des Rösslerweihers habe ich ebenfalls am 25.05.2018 ein ziemlich großes Vorkommen an Blättern des Aufrechten Merk, Berula erecta gesehen, den ich bisher nur von Weissenbronnen her kenne (Exkursion mit Helmut Herwanger). Offensichtlich sieht man ihn nur aus der Ferne, weil man durch fließendes Wasser von ihm getrennt ist. Typisch für ihn ist, dass das Endteilblatt der einfach gefiederten Blätter mehr oder weniger dreiteilig ist.

Anfang Juli, habe ich den Aufrechten Merk blühend gesehen. und zwar mitten in der Ortschaft Schlier, ebenfalls in einem Fließgewässer, das mich auf Abstand gehalten hat.

Ihn erkenne ich auch schon an seinen charakteristischen Blättern: den Wiesen-Bärenklau, Heracleum sphondylium. Anfang Juni (02.06.2018, Waldweg am Metelisweiher) ist noch nichts von einem Blütenansatz zu sehen.

Ende Juni 2018 (27.06.2018 auf dem Elsterperlenweg im Vogtland) begegne ich zum ersten Mal einem aufblühenden Exemplar:

Im August kann man die Früchte sehen:

Die Wilde Engelwurz, Angelica sylvestris, lässt sich auch schon an ihren Blättern, die schon früh erscheinen, identifizieren. Erstens an deren charakterisitischer Form und außerdem verströmen sie beim Verreiben den eindeutigen Duft der Engelwurz.

Zum Blühen kommt die Engelwurz ziemlich spät. Ich habe sie im August in voller Blüte im Wurzacher Ried angetroffen.

Am 20.08.2018 habe ich im Altdorfer Wald bei Baumgarten die Früchte der Wilden Engelwurz gesehen.

Auch die Wilde Möhre, Daucus carota, kann man an ihren Blättern erkennen. Sie erinnern von Farbe und Form an die Garten-Möhre und außerdem riechen sie beim Verreiben auch so. Sie ist mir in diesem Jahr erstmals am 05.06.2018 auf dem Argenrundweg aufgefallen.

Die Blüte der Wilden Möhre mit ihren filigranen, langen, fiederschnittigen Hüllblättern ist unverkennbar. Sie kommt aber erst im Juni zum Vorschein. Danach ist sie dann fast überall zu sehen und, wie es für mich aussieht, der häufigste weiß blühende Doldenblütler im Sommer.

Ebenso unverkennbar ist die nestförmige Fruchtdolde der Wilden Möhre:

Auch den unauffälligen Wald-Sanikel, Sanicula europaea, habe ich 2018 erstmals am 05.06. auf dem Argenrundweg gesehen. Er war zu dem Zeitpunkt schon verblüht.

Am 09.06.2018 habe ich bei Kirchheim/Teck einen mir bisher unbekannten Doldenblütler entdeckt, der auch in Oberschwaben gar nicht vorkommen soll, sondern in Baden-Württemberg vor allem an Neckar und Tauber: den Rüben-Kerbel oder die Kerbelrübe, Chaerophyllum bulbosum.

Die Pflanze hat insgesamt und vor allem von den Früchten her ein gewisses kälberkropfartiges Aussehen und wächst sehr hoch, etwa bis zu 2 m. Außerdem fallen die sehr dünnen und langen Fiederblättchen auf. Der Stängel ist bereift

Im Westen Ravensburg fand ich am 17.06.2018 die mir bisher nicht bekannte Fremde Pimpinelle, Pimpinella peregrinaIm ersten Moment habe ich zwar an die Kleine Pimpinelle, Pimpinella saxifraga, gedacht, jedoch sprechen die abstehend behaarten Fruchtknoten eindeutig für P. peregrina. Weitere Bilder konnte ich leider nicht machen, weil mich mein Foto im Stich gelassen hat. Aber die rundlichen Blätter haben auch für P.peregrina gesprochen.

Am 26.06.2018 habe ich im Vogtland die Hundspetersilie, Aethusa cynapium gesehen. Diese begegnet einem in Oberschwaben auch immer wieder. Sie sieht auf den ersten Blick irgendwie kerbelartig aus. Aber die untrüglichen Kennzeichen sind die Hüllchenblätter, meist 3, nur auf der Außenseite der Döldchen angeordnet und meist zurückgeschlagen und länger als die Blütensiele, sowie die auf der Unterseite glänzenden Blätter, die beim Zerreiben unangenehm riechen. Das unten stehende Foto ist zwar nicht zu meiner Zufriedenheit geraten, aber die langen Hüllblätter sind trotzdem gut zu erkennen.

Bei dieser Pflanze im Vogtland dürfte es sich um die Subspezies "elata" handeln, da die Pflanze sehr hoch war ( ca. 2 m) und am Grund des Stängels braunrot gefärbt und weißlich bereift war. 

Am 21.07.2018 habe ich ein kleines blühendes Exemplar, ca. 20 cm hoch, unter einer Hecke der Kleingartenanlage in der Talstraße in Weingarten gesehen (leider kein Bild vorhanden).

Wie zu erwarten, war im Vogtland Ende Juni auch der Gewöhnliche Klettenkerbel, Torilis japonica zu sehen, der um diese Zeit in ganz Deutschland, auch in Oberschwaben, blüht. Er sieht auch irgendwie kerbelartig aus, lässt sich jedoch an seinen sehr schmalen, den Doldenstrahlen  eng anliegenden Hüllblättern erkennen. Der Stängel und die Doldenstiele fühlen sich rau an.

Die Früchte habe ich am 20.08.2018 im Altdorfer Wald bei Baumgarten gepflückt.

Am 08.07.2018 habe ich den ersten blühenden Gewöhnlichen Pastinak, Pastinaca sativa gesehen. Er ist leicht zu erkennen. Erstens gibt es wenig gelb blühende Doldenblütler und sein Aroma, er riecht ausgeprägt nach Pastinak, macht ihn erst recht unverwechselbar. Die Pflanze fällt mir bis jetzt immer erst auf, wenn sie blüht, obwohl man sie aufgrund des Aromas auch schon an den Blättern erkennen könnte. Man sieht ihn auch in meiner direkten Umgebung immer wieder vom Auto aus am Straßenrand.

Die fruchtende Pflanze habe ich Ende August gesehen:

Am 14.07.2018 bei der NABU-Exkursion war auf den Wiesen um das "Lindele" mit zahlreichen Exemplaren die Große Pimpinelle, Pimpinella major zu sehen. Die Dolde ist ohne Hüll- und Hüllchenblätter. Man erkennt sie vor allem an der Form ihrer gefiederten, unteren Blätter, die eilanzettlich, spitz, bis 4 cm lang sind und häufig glänzen.

Später erkennt man sie auch daran, dass die Griffel nach dem Verblühen länger als die Früchtchen sind.

Die Kleine Pimpinelle, Pimpinella saxifraga war dann am 12.08.2018 auf der Rundwanderung im Wurzacher Ried zu sehen. Auch ihre Dolde ist ohne Hüll- und Hüllchenblätter, aber ihre grundständigen, gefiederten Blätter sind deutlich kleiner als bei der Großen Pimpinelle und von der Form her eiförmig-rundlich und stumpf. Die Fiederblättchen des Stängels sind klein mit linealen Zipfeln. (Leider sind meine Bilder nicht gerade gut gelungen).

Die Griffel der Früchtchen nach dem Verblühen sind viel kürzer als bei der Großen Pimpinelle.